Klare Entscheidungen treffen, unterschiedliche Meinungen zulassen und auch bei Unsicherheit handlungsfähig bleiben. Warum Ambiguitätstoleranz eine der wertvollsten Kompetenzen moderner Führung ist.
Willkommen im Führungsalltag!
Montagmorgen, neun Uhr. Eine Führungskraft sitzt in einer Teambesprechung.
Die Mitarbeitenden wünschen sich klare Entscheidungen, möchten aber gleichzeitig stärker beteiligt werden. Die Geschäftsleitung erwartet schnellere Ergebnisse, während Qualität und Mitarbeiterzufriedenheit ebenfalls steigen sollen.
Und während die einen mehr Eigenverantwortung einfordern, wünschen sich andere eindeutige Vorgaben.
Was nun?
Am besten alles gleichzeitig. Und natürlich möglichst sofort!
Willkommen im Führungsalltag.
Genau hier kommt eine Fähigkeit ins Spiel, deren Name zunächst etwas sperrig klingt, die aber ausgesprochen wertvoll ist: Ambiguitätstoleranz.
Was bedeutet Ambiguität eigentlich?
Ambiguität bedeutet Mehrdeutigkeit. Ambiguitätstoleranz beschreibt die Fähigkeit, unterschiedliche Sichtweisen, Widersprüche und mehrdeutige Situationen auszuhalten und konstruktiv mit ihnen umzugehen.
Ein Beispiel:
Ein Mitarbeiter hinterfragt in einer Besprechung die Entscheidung seiner Führungskraft.
Ist das mangelnder Respekt? Oder zeigt der Mitarbeiter damit Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Interesse?
Vielleicht steckt sogar von beidem etwas darin.
Wer wenig Ambiguitätstoleranz besitzt, neigt möglicherweise dazu, vorschnell zu urteilen.
Wer dagegen Mehrdeutigkeit aushalten kann, bleibt neugierig, hinterfragt die eigene Wahrnehmung und versucht zunächst zu verstehen.
Nicht alles, was widersprüchlich erscheint, muss zwangsläufig falsch sein.
Warum Ambiguitätstoleranz für Führungskräfte so wertvoll ist
Führungskräfte bewegen sich täglich zwischen unterschiedlichen Erwartungen.
Sie sollen Orientierung geben und gleichzeitig Freiräume schaffen. Entscheidungen treffen und trotzdem andere Meinungen berücksichtigen. Leistung fördern, ohne die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden aus den Augen zu verlieren.
Diese Anforderungen lassen sich nicht immer vollständig miteinander vereinbaren.
Ambiguitätstoleranz hilft Führungskräften, mit solchen Spannungsfeldern souveräner umzugehen.
1. Klarheit schaffen, ohne Sicherheit vorzutäuschen
Gute Führung bedeutet nicht, auf jede Frage eine Antwort zu haben.
Manchmal lautet die ehrlichste Antwort: „Das wissen wir noch nicht. Aber wir wissen, wie wir weiter vorgehen.“
Gerade diese Transparenz kann Vertrauen schaffen.
2. Unterschiedliche Meinungen als Chance begreifen
Nicht jeder Widerspruch ist Widerstand.
Menschen betrachten dieselbe Situation aus unterschiedlichen Perspektiven. Wer bereit ist, diese Perspektiven zunächst zu verstehen, erweitert seinen eigenen Handlungsspielraum.
3. Auch unter Unsicherheit entscheiden
Wer darauf wartet, dass sämtliche Risiken ausgeschlossen sind, wird möglicherweise niemals handeln.
Ambiguitätstoleranz unterstützt dabei, Ungewissheit anzuerkennen, Optionen abzuwägen und trotzdem Verantwortung zu übernehmen.
4. Gelassener mit Veränderungen umgehen
Nicht alles lässt sich kontrollieren. Gerade in Veränderungsprozessen entstehen Unsicherheit und widersprüchliche Erwartungen.
Wer damit konstruktiv umgehen kann, bleibt eher offen, handlungsfähig und gesprächsbereit.
Wenn aus Stärken plötzlich Schwächen werden
In meinen Kommunikationstrainings erlebe ich immer wieder, dass gerade sehr leistungsorientierte Führungskräfte vor einer besonderen Herausforderung stehen.
Sie denken schnell, erkennen Lösungen, treffen Entscheidungen und verfolgen konsequent ihre Ziele.
Das sind wertvolle Eigenschaften.
Doch unter Druck kann aus Entschlossenheit Ungeduld werden. Aus Klarheit wird Starrheit. Und aus Zielorientierung entsteht möglicherweise eine Kommunikation, die anderen kaum noch Raum lässt.
Die eigentliche Stärke ist nicht verschwunden. Sie wird lediglich zu einseitig eingesetzt.
Gute Führung bedeutet deshalb nicht, unsere Stärken ständig zu verstärken. Sondern zu erkennen, wann wir sie anders einsetzen sollten.
Ambiguitätstoleranz hilft dabei, konsequent und gleichzeitig offen zu bleiben. Entscheidungen zu treffen und dennoch andere Perspektiven zuzulassen.
Ambiguitätstoleranz beginnt im eigenen Kopf
Bevor wir mit anderen Menschen kommunizieren, führen wir einen Dialog mit uns selbst.
„Der Mitarbeiter will einfach nicht.“
„Meine Entscheidung wird nicht akzeptiert.“
„Wenn ich jetzt nachgebe, verliere ich meine Autorität.“
Doch sind das wirklich Fakten? Oder lediglich unsere Interpretationen?
Eine entscheidende Frage lautet deshalb:
„Welche andere Erklärung könnte es für diese Situation geben?“
Wer sich diese Frage regelmäßig stellt, entwickelt einen bewussteren Umgang mit der eigenen Wahrnehmung.
Denn unsere Wahrnehmung ist nicht die Wirklichkeit. Sie ist unsere Sicht auf die Wirklichkeit.
Drei kleine Übungen für den Führungsalltag
Ambiguitätstoleranz lässt sich durch bewusste Reflexion und neue Erfahrungen weiterentwickeln.
Drei Fragen können dabei helfen:
- Was könnte noch dahinterstecken? Suchen Sie bei einer schwierigen Situation bewusst nach mindestens zwei alternativen Erklärungen.
- Was wissen wir wirklich? Unterscheiden Sie konsequent zwischen Fakten, Vermutungen und persönlichen Bewertungen.
- Was könnte an der anderen Meinung richtig sein? Versuchen Sie, die Perspektive Ihres Gegenübers nachzuvollziehen, bevor Sie reagieren.
Diese Übungen kosten wenig Zeit, können aber unsere Kommunikation spürbar verändern.
Dabei bedeutet Ambiguitätstoleranz keineswegs Beliebigkeit. Führung braucht weiterhin klare Werte, Entscheidungen und Grenzen.
Entscheidend ist die Fähigkeit, Offenheit und Konsequenz miteinander zu verbinden.
Mein Fazit: Gute Führung braucht Haltung statt Allwissenheit
Unsere Arbeitswelt wird nicht dadurch einfacher, dass wir uns nach einfachen Antworten sehnen.
Veränderungen, unterschiedliche Interessen und widersprüchliche Erwartungen werden uns weiterhin begleiten.
Deshalb gehört Ambiguitätstoleranz für mich zu den wichtigen Zukunftskompetenzen von Führungskräften.
Sie unterstützt uns dabei, gelassener zu kommunizieren, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben.
Und vielleicht liegt gerade darin eine besonders wertvolle Erkenntnis:
Wir müssen nicht immer einer Meinung sein, um gemeinsam etwas bewegen zu können.
Mein Trainingsangebot 2027: Führung stärken. Kommunikation verbessern. Potenziale entfalten.
Gute Führung entsteht nicht allein durch Fachwissen und Methoden. Sie beginnt bei der eigenen Persönlichkeit, der inneren Haltung und der Fähigkeit, Menschen wirklich zu erreichen.
Genau hier setzen meine Führungskräfte- und Kommunikationstrainings 2027 an.
Unter dem Leitgedanken „Bühnenreif – Das Runge-Prinzip“ verbinde ich meine langjährige Führungserfahrung mit moderner Kommunikationspsychologie, wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen der Positiven Psychologie und praxisnahen Trainingsmethoden.
Im Mittelpunkt stehen:
- Kommunikative Wirkung: Die eigene Persönlichkeit und das Kommunikationsverhalten besser verstehen.
- Souveränität und Gelassenheit: Auch in schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben.
- Führung und Veränderung: Widersprüche aushalten, Orientierung geben und Menschen mitnehmen.
- Perspektivwechsel und Empathie: Unterschiedliche Bedürfnisse erkennen und konstruktiv miteinander umgehen.
- Gesunde Selbstführung: Eigene Stärken gezielt einsetzen, ohne sich selbst aus dem Blick zu verlieren.
Die Trainings sind als individuell zugeschnittene Inhouse-Workshops und intensive Powertrainings buchbar. Auf Wunsch ergänze ich sie durch eine KI-gestützte Analyse der kommunikativen Wirkung sowie begleitende Online-Coachings für einen nachhaltigen Praxistransfer.
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Jörg Runge – Kommunikationstrainer, Coach und Speaker
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